18 April 2014

Japans Aktien auf Achterbahnfahrt 

Marc-André Lizin, financial analyst at Puilaetco Dewaay, discusses the positive prospects of investing in Japanese equity markets.

Nach zwei Jahrzehnten in der Konjunkturwüste markierte das Jahr 2013 für Japan und seine Aktienmärkte, die vergangenes Jahr um über 50 % zulegten, scheinbar den Beginn einer nachhaltigen Kehrtwende. Die Einführung des "Drei Pfeile"-Reformprogramms von Ministerpräsident Shinzo Abe (geldpolitische Lockerung, fiskalische Anreize und Strukturreformen) wurde von Analysten weithin gelobt und - noch wichtiger - von den Bürgern des Landes angenommen. Die Zustimmungswerte für den Ministerpräsidenten folgten in etwa der Entwicklung an der Tokioter Börse: Abe erreichte im Frühjahr 2013 ein Hoch von etwas mehr als 70 %.

Fehlstart hingelegt

Im ersten Quartal 2014 legte der japanische Markt jedoch mit einem Minus von 10 % einen Fehlstart hin und verzeichnete unter allen Industrieländern die schlechteste Entwicklung. Noch besorgniserregender für das Reformpaket des Ministerpräsidenten waren möglicherweise die Ergebnisse einer Meinungsumfrage im März. Diese besagten, dass nur knapp 24,5 % der Japaner der Meinung waren, dass sich die wirtschaftlichen Bedingungen durch die "Abenomics" verbessert hätten, während 70,9 % der gegenteiligen Ansicht waren.

Unterdessen muss der dritte Pfeil - Strukturreformen einschließlich Freihandelsabkommen und Lohnsteigerungen - erst noch vollständig umgesetzt werden, auch wenn einige Maßnahmen wie z. B. die wenig beachtete Lohnerhöhung für den öffentlichen Dienst in Kürze wirksam werden. Bemerkenswert ist, dass dies durch eine (äußerst unbeliebte) Anhebung der Mehrwertsteuer um drei Prozentpunkte kompensiert wird.

Zweifelsohne ist der Gouverneur der Bank of Japan, Haruhiko Kuroda, in scharfem Kontrast zur Drosselungspolitik der Fed gegebenenfalls bereit, weitere geldpolitische Anreize zu setzen. Die Märkte scheinen jedoch zumindest vorerst sehr skeptisch im Hinblick auf die Aussichten der Abenomics zu sein. Die meisten Wetten auf japanische Aktien laufen derzeit auf fallende Kurse. Wir sind dagegen der Auffassung, dass der Markt auf längere Sicht im Hinblick auf die Bewertungen nach wie vor gut positioniert ist.

Einstiegsgelegenheit

Tatsächlich schafft die jüngste Korrektur gute Einstiegspunkte für diejenigen, die vergangenes Jahr nicht auf den Shinkansen-Express aufgesprungen waren. Der japanische Markt bietet nicht nur ein ansprechendes Kurs-Gewinn-Verhältnis (14,1 gegenüber 15,9 in den USA und 14,4 in Europa), sondern auch ein attraktives Gewinnwachstum. Auch angesichts kurzfristiger Marktrückgänge bestehen keine Zweifel, dass Ministerpräsident und Zentralbankgouverneur gemeinsam alles in ihrer Macht stehende tun werden, um eine Trendumkehr herbeizuführen - einschließlich einer weiteren Beschleunigung der Reformen. Hiervon hängt Abes politische Zukunft ab. Es war klar, dass die anfängliche, überschwängliche Reaktion auf die Abenomics in Enttäuschung münden musste; dies ist jedoch nicht gleichbedeutend mit einem Scheitern des Experiments. Für den heutigen global ausgerichteten Anleger bleibt Japan ein Land der Chancen. Künftig bleibt die Absicherung des Wechselkursrisikos entscheidend, ebenso wie die Identifizierung von Aktien mit begrenztem Wachstum, die gleichwohl unterbewertet sind, oder von angemessen bewerteten Aktien, die Exposure gegenüber Unternehmen mit robusten Fundamentaldaten und einer beherrschenden Wettbewerbsposition bieten. Die derzeitige Achterbahnfahrt am Markt könnte sich auch 2014 fortsetzen. Unser Tipp: Gut festhalten und die Fahrt genießen.

Marc-André Lizin, Finanzanalyst bei KBL European Private Bankers in Brüssel

- Börsen-Zeitung